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Julchen und Schinderhannes

Julie Bläsius war auf den Tanzböden der Wirtshäuser und Kirmesfeste im südwestlichen Hunsrück gewissermaßen zuhause. Sie stammte aus Weierbach an der Nahe und trat als Geigerin und Sängerin im Trio mit ihrem Vater und der jüngeren Schwester Margaret auf. Als Julchen im Frühjahr 1800 den Schinderhannes zum ersten Mal sah, war sie 19 Jahre alt und erlag sogleich seinem Charme. Noch in derselben Nacht verließ sie ihre Familie und folgte dem Räuberhauptmann als seine Lebensgefährtin.

Bei seiner Verhaftung 1802 folgte Julchen ihm auch in den Kerker, wo sie ein Kind namens Wilhelm gebar. Im Prozess beteuerte der Hannes stets, seine Julie sei unschuldig; er habe sie mit "arglistiger Absicht" verführt. Während der Schinderhannes und 19 seiner Komplizen am 21. November 1803 in Mainz hingerichtet wurden, kam Julchen mit einer zweijährigen Zuchthausstrafe davon. Danach zog sie wieder ins heimatliche Weierbach (heute ein Stadtteil Idar-Obersteins) und heiratete dort ausgerechnet jenen Gendarmen Adam, der zuvor ein gefährlicher Gegenspieler des großen Räubers gewesen war. Mit ihm hatte sie mehrere Kinder, deren Nachfahren noch heute in und bei Idar-Oberstein leben. Julie Adam, geb. Bläsius, starb im Alter von 70 Jahren.