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Scheune im Hunsrück
Im Jahre 1656, also gleich nach dem 30-jährigen
Kriege, wurde die Pfarrscheune unterhalb des Pfarrhauses neu gebaut.
Sie war neben der Zehntscheune, die auch noch steht, die einzige
Scheune innerhalb der Stadtmauern von Herrstein. Die übrigen
Scheunen liegen heute noch zusammen außerhalb der Mauern.
Über den Neubau der Scheune berichtet das Kirchenbuch:
Den 24 May dieses 1656. Jahres
ist die Pfarrscheuer allhier zu Herrstein außgebaut (vollendet)
worden. Von 46 Haußstätten, so zu diesem Kirchspiel gehört
haben. Wenn man auf eine Hausstelle fünf Familienangehörige
rechnet, hatte das Kirchspiel damals (1656), also bald nach dem
30-jährigen Kriege, 230 Einwohner, die sich auf die Orte Herrstein,
Oberwörresbach und Mörschied verteilen.
Etwa 140 Jahre stand die Scheune bereits, als in
der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1798 der Schinderknecht Johannes
Bückler (ca. 1780-1803) unfreiwillig in einem Turmgelaß
der ehemaligen Burg in Herrstein einsass. Dieser Mensch erlangte
später als Räuberhauptmann "Schinderhannes"
so große Popularität, daß er noch heute zu den
berühmtesten historischen Gestalten von ganz Rheinland-Pfalz
zählt. Sein kurzes Räuberleben endete später in Mainz,
wo ihm wegen Räuberei erst der Prozeß gemacht und dann
der Kopf abgeschlagen wurde. Die Scheune steht an der Südseite
direkt auf der alten Stadtmauer, die sich ringförmig unterhalb
der Burg erstreckte und deren Verlauf auch heute noch vom Uhrturm
markiert wird. Dieser hochragende Turm in unmittelbarer Nähe
wird zu Recht als das Wahrzeichen von Herrstein bezeichnet. Das
gotische Schieferbauwerk mit seinem charakteristischem steilen Dach
gleicht einem steinernen Ausrufezeichen und ist der einzige mittelalterliche
Torturm im Nahe-Hunsrück-Gebiet.
Von
dieser Stadtmauer befinden sich noch erhaltene Reste als 50 cm hoher
Sockel auf der Südseite im Innern der Scheune. Die Fensteröffnungen
in dieser Wand sind schießschartenähnlich teilweise mit
Sandsteingewänden ausgebildet. Das Untergeschoß besteht
aus dickem Bruchsteinmauerwerk. Das erste Stockwerk und der Giebelraum
bestehen aus gutem Eichenfachwerk von teils beachtlichen Dimensionen.
Das Dach ist auf den Traufseiten bis zur Oberkante des Untergeschosses
herabgezogen; hier wurden anstelle der früher vorhandenen,
später entfernten Dachgauben wieder neue Fensteröffnungen
in der alten Bauform mit den Dachgauben angebracht. Interessant
ist die im Scheuneninneren gut sichtbare Stützkonstruktion
des Fachwerks mit einer im Mittelpunkt bis unters Dach aufwärts
reichenden Leiter. Im seitlichen Gebäudeversprung befand sich
der ehemalige Pferdestall. Hier ist noch ein Sandsteintrog erhalten
geblieben.Das Fachwerk des Gebäudes wurde 1975 freigelegt und
bis 1979 restauriert. Nach einer erneuten Sanierung der Scheune
durch den heutigen Besitzer wurde in der ehemaligen Tenne das Ladengeschäft
"Scheune im Hunsrück" eingerichtet.
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